Selbstverständnis Frauen*kampftagsbündnis Thüringen

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen* voranzubringen und kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit, sowie die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen*. Wir nennen uns bewusst Frauen*kampftag, da es unser Anspruch ist den 8.März zu re-politisieren. Damit meinen wir, dass kämpferischer auf feministische Forderungen Bezug genommen wird, bestehende Ungleichheiten lauter benannt und offensiv für eine Veränderung unserer Gesellschaft eingestanden werden muss. Mit unserem Motto „We don´t fight for flowers!“ („Wir kämpfen nicht für Blumen!“) wollen wir verdeutlichen, dass es am 8.März nicht darum geht Blumen an Frauen zu verteilen, sondern um politische Forderungen, um einen Kampf für Gleichberechtigung aller Geschlechter.

Und warum?

Auch über hundert Jahre nach dem ersten Frauentag stehen wir in vielen Dingen erst am Anfang. Nicht nur die öffentlichen sexistischen Äußerungen des us-amerikanischen Präsidenten, einer Partei im deutschen Bundestag mit einem Frauen- und Familienbild von vorgestern, oder auch die immer stärkere Einschränkung vom Recht auf Abtreibung in vielen Ländern verdeutlichen, dass viele Errungenschaften von Frauen*bewegungen erkämpft wurden sind und jederzeit in Gefahr geraten können. In regelmäßigen Abständen glüht in den Soziale Medien mit Offensiven wie #aufschrei oder #metoo auf, was für viele Menschen alltäglich ist und leider auch noch nach jedem viralen Hashtag alltäglich bleibt: Sexismus, sexualisierte Gewalt und Übergrifflichkeit, Abwertung auf Grund des Geschlechts. Sexualisierte Gewalt ist keine Ausnahme, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung wird immer wieder in Frage gestellt. Frauen* sind mit manifesten Lohnunterschieden konfrontiert. Vielfältige und selbstermächtigende Frauen*- und Geschlechterbilder in Kultur und Medien fehlen oft, Frauen* sind hier und auch auf politischen Entscheidungsebenen unterrepräsentiert. Ihnen werden vor allem Fähigkeiten der Sorge und Pflege zugeschrieben was ihnen zum einen den Großteil des privaten Haushaltens aufbürdet und ihnen zum anderen seit der Kindheit bestimmte Bahnen ihrer Interessen und Berufswünsche vorzeichnet. Gesellschaftliche Normen und Werte bestimmen auch weiterhin was als „normal“ und akzeptiert für Frauen* gilt. Sie teilen ein in nur zwei Geschlechter, in zwei den entsprechenden Verhaltensweisen und in nur eine Sexualität mit bestimmten Lebensentwürfen. Homo-, Bi- Trans- und Interfeindlichkeit sind Ausdruck davon.

Auch wenn es dabei immer wieder zu Brüchen kommt, Freiräume und Alternativen hervorgebracht werden können:
Die Rollen, Berufe und Lebensentwürfe vieler Mädchen* und Frauen* scheinen vorbestimmt und wenn sie dagegen aufbegehren, müssen sie mit all dem rechnen was unsere Gesellschaft an Sexismus und Unterdrückungsmechanismen zu bieten hat. Und dagegen lohnt sich ein Kampf!

Viele Frauen* sind nicht nur von patriarchalen Strukturen betroffen, sondern auch von anderen Diskriminierungsformen zum Beispiel auf Grund von Herkunft, Klasse und Behinderung. So erfahren Frauen* mit Behinderungen stärker sexualisierte Gewalt, sie laufen Gefahr ihre Mündigkeit auf körperliche Selbstbestimmung und das Recht auf Reproduktion abgesprochen zu bekommen. Insbesondere für migrantische Frauen* ist ein sorgenfreies Leben oft unmöglich. Nicht selten illegalisiert und prekär beschäftigt, sind sie in besonderem Maße von Ausbeutung, Rassismus und Sexismus betroffen. Im Kapitalismus sind Arbeit und Reichtum ungleich verteilt. Die Arbeit der einen produziert den Reichtum der anderen. Erwerbslosigkeit, Doppelbelastung, Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit, Minilöhne und Altersarmut sind nur einige Symptome dieses Gesellschaftssystems, in dem besonders Frauen* benachteiligt sind. Wie stark sie davon betroffen sind, entscheidet sich auch an Hand ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse.

All diese Missstände sind in unserem Gesellschaftssystem tief verankert, sie spiegeln sich in Gesetzen, in Wirtschaft, in Politik und Kultur wider, in der Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe und im alltäglichen Zusammenleben. Es geht deshalb darum, eine Perspektive zu entwickeln, die Mehrfachdiskriminierungen und ihre Verschränkungen im Blick hat. Aus diesem Grund solidarisieren wir uns mit feministischen Bewegungen und Kämpfen weltweit.

Was wir wollen?

Wir treten ein für einen Feminismus, der verschiedene Unterdrückungs- und Diskriminierungsmechanismen auf dieser Welt zusammen denkt. Feminismus geht alle etwas an: Die, die unter den Missständen leiden und die, die sich solidarisch für andere Verhältnisse einsetzen und die, die in der Enge der gesellschaftlichen Geschlechterrollen gefangen sind.
Erkämpfen wollen wir eine Gesellschaft, in der kein Mensch sich nur so verhalten oder so leben darf „wie man das eben so macht als Mann/Frau“. In der nicht eine Hälfte der Menschen strukturell ungleich behandelt wird, von Sexismus und Übergriffen betroffen ist und doppelt ausgebeutet wird durch Lohnarbeit im Betrieb und Sorgearbeit zu Hause. Unser Feminismus richtet sich dabei gegen ein System, dass Ungleichheiten auf Grund von Herkunft, Klasse oder Behinderung produziert.

Als Bündnis gibt es uns seit 2014 und wir bestehen aus politischen Gruppen, politischen Jugendverbänden, queeren Vereinen, Frauenorganisationen und Einzelpersonen. Im Februar starten wir wieder unsere feministische Veranstaltungsreihe in Thüringen, wollen Menschen erreichen und zusammen bringen, wollen gemeinsam demonstrieren, diskutieren und feiern – ob zum Frauen*kampftag oder gegen die Einschränkung unserer Rechte. Und: Wir wollen deiner Stimme Raum geben und gemeinsam mit dir offensiv für eine feministische Perspektive eintreten. Wenn du mitmachen möchtest, schreib uns eine Mail an frauenkampftagth@gmail.com, besuch uns online unter http://frauenkampftagthueringen.blogsport.de oder hier https://www.facebook.com/fktthueringen oder sprich uns bei den Veranstaltungen an.

Das Sternchen * = Das Sternchen soll verdeutlichen, dass Geschlecht sozial konstruiert ist. Frauen* schließt daher auch alle nicht-cis-männlichen Geschlechter ein. „Cisgender“ bezeichnet Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.

Bündnispartner*innen 2018